Freitag, 13. Oktober 1995
7:00 ist Aufstehen angesagt, schnell werden die Rücksäcke reisefertig gemacht, und wir machen uns auf den Weg zur Landstraße, von wo die Busse fahren sollen. Wir sind gerade mal 250 m gelaufen, als neben uns ein Bus anhält und jemand “Valencia” ruft. Besser hätte es nicht klappen können und so haben wir den Bus nach Valencia sozusagen frei Haus geliefert bekommen. Wir müssen jeder 200 Bs.
(1,70 DM)
für die 96 km lange Reise bezahlen. Auf der Strecke steigen einige Leute zu, und die Besonderheit an diesem Bus ist, daß man einfach nur einmal in die Hände klatscht, und der Bus hält sofort (!) an. Danach kann es passieren, daß er nur weitere fünf Meter fährt, um den nächsten Fahrgast aufzunehmen. Hier ist der Kunde also wirklich König! Um 9:30 kommen wir in Valencia (
Valencia
– Mit knapp 900.000 Einwohnern ist die Hauptstadt von Carabobo die drittgrößte Stadt des Landes. Sie gilt zudem, ungeachtet ihrer Bedeutung als Landwirtschaftszentrum, als der Industriestandort Venezuelas, mit einer kaum zu überblickenden Vielzahl verschiedener Industriezweige unter anderem aus den Bereichen der Nahrungs-, Möbel-, Papier- und Autoindustrie. Im historischen Zentrum der Stadt sind noch einige bemerkenswerte Kolonialgebäude zu sehen.) an. Wir suchen verzweifelt eine Bank, da wir fast kein Geld mehr in der Tasche haben. Aber von den drei Banken in der Nähe des Busterminals sind zwei geschlossen, und die dritte nimmt keine Travellerschecks. Ein Privatmann bietet uns noch an, einen Scheck privat zu tauschen, doch nach Rückfrage in der Bank, lehnt er ab. Wir bezahlen den Bus dann mit 20 $
(29,- DM)
und haben nur noch ein paar Bolis in der Tasche. Um 11:00 soll der Bus in Richtung Mérida starten, doch er fährt erst um 12:00. Naja, so langsam gewöhnt man sich an die Pünktlichkeit in Venezuela. Im Bus lernen wir drei Italienerinnen (Alessia, Maria Rossa und Maria Gracia) kennen, die uns auch noch Geld leihen, damit wir unterwegs etwas warmes Essen können. Zwischendurch bekommt der Bus einige Probleme mit den Bremsen, aber da man so etwas in Venezuela nicht so eng sieht, wird die Fahrt trotzdem fortgesetzt.
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© 1995-2008 Christoph Arras